Flavia Coelho

Flavia Coelho-Mundo Meu

Das zweite Soloalbum des hübschen brasilianischen Lockenkopfes aus Rio de Janeiro löst beim Hören den sehnlichen Wunsch aus, am Strand zu tanzen und dabei fruchtige Caipirinhas zu schlürfen.

Am 26.09.2014 veröffentlichte Flavia Coelho, die seit 8 Jahren in Paris wohnt, ihr zweites Soloalbum bei dem französischen Label „Discograph“.  Schon ihr Debütalbum „Bossa Muffin“ überzeugte mit seiner unbestechlichen Lebensfreude und Lebhaftigkeit. „Mundo Meu“, das ist der Titel der neuen CD, bedeutet so viel wie „Meine Welt“ – und genau in diese entführt Flavia Colheo die HörerInn mit den 15 tollen Tracks. Stilistisch noch einprägsamer und authentischer als auf der letzten CD, klingt die Stimme der selbstbewussten Sängerin auch nach; nachdem der letzte Song gelaufen ist. Songs über das Leben und die Liebe bringen ohne nachzudenken zum mitwiegen im Rhythmus und mitsummen.

Ihr Weg

Die gebürtig aus Rio de Janeiro wurde als Nomadin geboren und zog während ihrer Kindheit alleine mit ihrer Mutter durch die Ghettos der Großstadt. Ohne eine andere Möglichkeit übernachtete das mutter-Tochter-Paar in besetzten Häusern und an Bushaltestellen. Trotz der schwierigen Umstände wurde schon sehr früh klar, dass Flavia musikalische Interesse und Talent besitzt. Schon mit 8 Jahren soll Flavia singend und tanzend durch das ganze Haus gewirbelt sein. Mit 14 schloss sie sich dann der Band „As Solteirissimas“ („Die Singles“) an und trat mit dieser nachts in vielen Bars der Innenstadt auf. Gleichzeitig entwickelten sich sie und ihre Stimme immer weiter, Flavia arbeitete unermüdlich an Stimmtechniken und ihrem persönlichen Stil. 6 Jahre später, mit 22 Jahren, tourte sie als Teil einer Karnevaltruppe durch Europa und ließ sich 2006 in Paris nieder. Doch kam dort der Erfolg nicht über Nacht; Coelho arbeitete als Putzfrau, sang in U-Bahnen und führte Hunde aus. Erst mit der Zeit und der Unterstützung verschiedener MusikerInnen, die ihr den Weg zu Inspiration und neuen Kontakten ermöglichten, machte sie sich allmählich einen Namen im Musikgeschäft.

 

“Mundo Meu“

Aus der Stimme und den Texten ist Lebenserfahrung und Lebensfreude rauszuhören. Auch wer die Texte nicht versteht, es sei denn sie oder er beherrscht Spanisch, erahnt, wovon die Sängerin singt. Und zwar vom Leben, dem puren Leben, die schönen Seiten, wie der Liebe und der Sonne, aber genauso von den dunklen Seiten von dem Planeten, den wir Erde nennen. Die naturverbundene Sängerin singt von der Natur Brasiliens und dem Leben, wie es ärmere Menschen jeden Tag erfahren. In einem Interview mit dem rbb Funkhaus Europa beschreibt sie die Botschaft des Songs “People Dansa”:

“Ich versuche auf diesem Album, an die wirklich großen Probleme Brasiliens zu erinnern. In diesem Lied spreche ich von der globalen Erwärmung und von der Religiosität der Bauern, die ausschließlich auf ihren Glauben setzen, tanzen und beten, damit der Regen kommt, damit sie nicht Hunger leiden müssen. In Mundo Meu singe ich nicht über die Schönheit Brasiliens, sondern über die Gefahren, denen ich in meiner Jugend ausgesetzt war.“

Diese Frau scheint nicht nur musikalisch, sondern auch klug und umweltbewusst zu sein. Sie spricht mit ihren Texten grundlegende Probleme auf der Welt an und das mit so viel Pfiff und Weisheit, dass es Pflicht sein müsste, sich die Texte vom Spanischen ins Deutsche zu übersetzen.  Die wirklich wichtigen Dinge im Leben, geschmückt mit fröhlichen Melodien und einem breiten Lácheln.

Wir sind in Brasilien in einer kleinen Strandbar direkt am Meer und ein sehr gutaussehender junger Mann mit perfekter Haut und hellgrünen Augen bringt dir das Tanzen bei. Du hast den Tag über in einem alten Bus gesessen an dem der Lack bereits abblättert und mit alten Freunden eine Tour durch die Stadt und die umliegenden Dörfer gemacht.

Dieses Album macht glücklich und uns lässt den Winter vergessen. Auch wenn der Sommer grade erst vorbei ist, wir können uns schon auf den nächsten freuen. Visionen von wahnsinnig tollen Party am Strand oder in der City an einem See und man gibt sich das Versprechen, diesmal den nächsten Sommer wirklich komplett auszunutzen und jede Minute zu genießen.

 

 

 

Homepage-Flavia Coelho

http://flaviacoelhomusic.com

 

Ein Einblick in die Entstehung des Albums

 

Der Bonustrack “Perturbar”

J.Moon

J.Moon – Melt

 

Verträumte Melodien und eine Stimme die unglaublich natürlich ist – die Italienerin Jessica Einaudi bezaubert mit ihrem ersten Soloalbum die Hörer und ebnet den Weg für eine erfolgreiche Solokarriere.

 Einflüsse

J.Moon stammt gebürtig aus Milano, Italien und heißt mit bürgerlichem Namen Jessica Einaudi. Seit ihrer frühesten Kindheit ist die Sängerin mit der Kunst vertraut, denn Ihr Vater ist kein geringerer als Ludovico Einaudi – der erfolgreiche Komponist der vor allem in Deutschland und Großbritannien durch seine Komposition von „Una Mattina“, der Filmmusik zu „Ziemlich beste Freunde“ bekannt geworden ist. Ludovico ist nicht nur Vater und Mentor seiner Tochter sondern auch Produzent ihrer bisherigen Musik-Projekte. Unterstützt hat er sie bereits bei der Verwirklichung ihrer ersten zwei Alben mit Musikerkollegen Federico Albanese.

Unter dem Namen „La Blanche Alchimie“ hat das Duo im Jahr 2012 mit Erfolg zwei Alben veröffentlicht und ist durch die USA, Russland und Europa getourt. Im Album „galactic Boredom“ harmonieren Einaudi und Albanese bereits sehr gut miteinander und es entsteht ein gelungenes Debüt. Im gleichen Jahr zieht Jessica Einaudi von Mailand nach Berlin, um im Anschluss ihr erstes Soloalbum zu entwickeln und aufzunehmen. Auch bei diesem Projekt wird sie von ihrem Kollegen Albanese an Bass, Gitarre und Klavier unterstützt.

Ihre Stimme ist ihr Lieblingsinstrument und während ihrer klassischen Gesangsausbildung nahm sie auch an dem in Deutschland konzipierten Lichtenberger Gesangs – und Stimmtraining teil. Diese Art des Stimmtrainings dient dazu, ein erweitertes Verständnis für die Beziehung zwischen Körper und Stimme zu entwickeln und so freier und mit größerem Stimmumfang singen zu können. Dieser Einklang ist rauszuhören, denn jeden ihrer Songs singt sie mit ruhiger Gelassenheit und Erfahrung.

 

 Berlin und die Kunst

Auf die Frage, warum Berlin und nicht Rom, Paris oder irgendeine andere Stadt antwortet Einaudi in einem Interview mit dem <i>Rbb Rundfunk Berlin Brandenburg</i>:<i>„Diese Stadt steckt voller Inspirationen, ich arbeite sehr gerne hier“</i> Und anscheinend stimuliert diese Stadt nicht nur ihre musikalischen Ader; Einaudi hat neben der Musik noch eine zweite Leidenschaft – die Malerei.

Sie stellte ihre Werke bereits in der Berliner „ Pop-up Art Gallery “ und auf dem Schoeneweide Art Festival aus und gestaltete eine Solo-Ausstellung ihrer Bilder in dem Etablissement „Oblomov“ in Berlin Neukölln. Ihr Stil ist modern, abstrakt und minimalistisch und passt zu einer Stadt wie Berlin. Es ist davon auszugehen, dass ihre Bilder nach der erfolgreichen Veröffentlichung ihres Soloalbums „Melt“ noch öfter in Galerien zu sehen sein wird.

 

 “Melt

Mit ehrlichen Texten, der Natürlichkeit der Melodien und Instrumente sticht das Album „Melt“ mit seiner Unverfälschtheit heraus, frei von den Zwängen des Mainstream. Verschiedene musikalische Einflüsse, von traditionellem Folk bis zum experimentellen Electro-Trance und die Vermischung dieser Stile lässt das Album als etwas Besonderes erscheinen. Dieser Meinung ist auch das Label “Bosworth Music GmbH“, bei der Einaudi den Vertrag unterschrieb. Die Songs wurden letztendlich im Overhear Studio aufgenommen, und von Francesco Donadello im Calyx Studio gemastert. Einige Lieder beinhalten Glaubensätze an die Liebe, andere an die Einsamkeit. In „The hidden Garden“ singt J.Moon über Dinge in uns, die verschlossen zu sein scheinen und darüber, wie einsam es macht, die Liebe nicht zulassen zu können.

 

 “Someday out of the bubble of time

We will hang aroung

But you‘re in front of me

And it‘s so real

I would give you all I have

But it’s locked inside

Distance makes us lonely and insane

All this coldness burns my jaw“

 

Die Bässe in den Songs erinnern an einen ruhigen, gleichmäßigen Herzschlag, die Instrumente an Regentropfen, die nachts gegen das Fenster trommeln. Melodien wie auch die aus dem Lied „Poison“ erzählen von Geschichten, die noch erfunden werden müssen, von Bildern, die wir uns noch vorstellen müssen. Wie der Titel des Albums schon verrät, können Realität und Fantasie miteinander verschmelzen, schauen, oder hören wir nur genau hin.

Dieses Album ist wie eine Massage für die Seele. Die Songs verleiten zum mitsummen und lassen den Alltag in unaufdringlichen, natürlichen Pastelltönen bunter erscheinen.

 

 

Info zum Album:

J Moon

Melt

Label: Bosworth Music/Broken Silence, VÖ: 17.10.2014

J.Moon im Netz:

http://jmoonmusic.com

und auf https://www.facebook.com/jmoonmusica/info

J.Moon und die Kunst

http://jessicaeinaudi.tumblr.com

„The hidden Garden“ auf Youtube

Emma Watson als UN-Sonderbotschafterin

Emma Watson im Kampf für Geschlechtergleicheit

Die kleine Zauberin aus der Harry Potter-Filmreihe ist nun groß geworden. Oft spielte die Britin starke und unabhängige Rollen. Nun fungiert sie auch im realen Leben als Vorbild für junge Frauen.

Im April 2014 wurde die Schauspielerin aufgrund ihres Engagements für Mädchen in Bangladesh und Sambia zur UN-Sonderbotschafterin für Frauen ernannt. Sie engagiert sich seitdem verstärkt für Gleichberechtigung in aller Welt. Die frischgebackene Absolventin in englischer Literatur und Liebling der Medien ist für diese Aufgabe prädestiniert. Gerade Sympathie ist eine gute Voraussetzung, um sich in der Welt Gehör zu verschaffen. Und genau das hat Watson vor – als Gesicht der Kampagne „HeForShe“ appelliert sie an die Männer dieser Welt, sie in ihrem Einsatz gegen Geschlechterdiskriminierung zu unterstützen. Und dieser Apell erreichte auch uns in Deutschland. Am siebten Oktober ruft das Unwomen Internationales Komitee Deutschland e.V Männer dazu auf, sich der Kampagne anzuschließen und so auch dem Kampf gegen Diskriminierung. Prominente Unterstützer der Kampagne sind unter anderem Generalsekretär Ban Ki Moon und Will Smith sowie von deutscher Seite Schauspieler Dirk Moritz und Moderator Jaafar Abdul Karim

 

Ihre Rede, die sie am 20. September vor den Vereinten Nationen in New York hielt, ging um die ganze Welt und wurde allein auf Youtube bereits knapp sechs Millionen mal aufgerufen. Die Aufnahme zeigt eine sichtlich nervöse Emma Watson, die im strenggeschnittenen Dior-Kleid vor den UN-Abgeordneten über die Gleichstellung der Geschlechter spricht. Zu Anfang begründet sie ihre Einsatzbereitschaft mit persönlichen Erfahrungen als Frau und liefert zugleich Beispiele für die immer noch währende Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern.

Als ich 8 war, nannten mich die Leute herrisch, weil ich genauso wie die Jungs über unser Theaterstück  mitbestimmen wollte. Als ich 14 war, begannen die Medien, mich zu sexualisieren. Als ich 15 war, stiegen meine Freundinnen aus ihren Sportteams aus, weil sie nicht zu muskulös werden wollten. Als ich 18 war, konnten meine männlichen Freunde nicht mehr über ihre Gefühle sprechen. Ich entschied, dass ich eine Feministin bin.”

 

Die Feministin

 Im Anschluss beleuchtet Emma Watson den Begriff „Feministin“ und wie häufig dieser heutzutage negativ bewertet oder mit Männerhass verbunden wird. Das Bild, das dieser Begriff in den Köpfen hervorruft, sei das einer aggressiven, unattraktiven Frau, die alle Männer verachtet und verabscheut. Mit diesem Vorurteil müsse aufgeräumt werden, denn Feminismus beschreibe lediglich die Überzeugung von  „politischer, ökonomischer und sozialer Gleichheit der Geschlechter“ zu teilen. Zudem betont sie, dass es eben nicht das Wort sei, das zählen sollte, sondern der Gedanke, der dahinter stecke. Emma Watson hat mit dieser Rede augenscheinlich einen wunden Punkt getroffen, wie in den Kommentaren im Internet zu lesen ist. In sozialen Netzwerken lästern frauenfeindliche Kritiker über ihren Auftritt und eine Marketing-Firma leistet sich den geschmacklosen PR-Gag, auf der Homepage von Watson damit zu drohen, Nacktbilder von ihr zu veröffentlichen, sollte sie nicht den Mund halten. Es ist offenbar tatsächlich so, dass Feminismus „Out“ ist. Die Vorstellung der männerhassenden Feministin hat sich eingebrannt, und trägt dazu bei, dass Männer sich im Feminismus nicht toleriert fühlen und Frauen sich oft davon distanzieren. Die Reaktionen zeigen deutlich, wie sehr der Feminismus Frauen wie Emma Watson braucht.

 

HeForShe

 Emma Watson spricht in ihrer Rede jedoch nicht nur von den Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen, sondern auch von dem Recht der Männer auf Gleichberechtigung und Toleranz. Dies unterstützt die Authentizität der Kampagne „HEFORSHE“, die sich immerhin vorrangig an Männer richtet und die soziale Ungleichheit beenden soll. Ihre Hoffnung, sagt Emma Watson, sei es, den Männern, genauso wie den Frauen die Last zu nehmen, ständig Rollenklischees erfüllen zu müssen. Sie meint, Männer leiden an den überholten Bildern von männlich und weiblich genauso wie Frauen, wenn nicht sogar noch mehr:

 

Ich habe junge Männer gesehen, die an psychischen Krankheiten leiden, die sich keine Hilfe suchen konnten aus Angst, sie wären dadurch weniger Mann. Tatsächlich ist Suizid in Großbritannien die häufigste Todesursache von Männern zwischen 20 und 49 und übertreffen damit Verkehrsunfälle, Krebs und Herzinfarkte. Ich habe Männer erlebt, die durch eine verzerrte Vorstellung davon, was männlichen Erfolg ausmacht, zerbrechlich und unsicher waren. Auch Männer genießen nicht die Vorteile der Gleichberechtigung.“

 

Sie plädiert dafür anzuerkennen, dass auch Männer sensibel und hilflos sein dürfen, ohne Angst haben zu müssen, nur als „halber Mann“ zu gelten. Genauso, wie Frauen sich trauen sollten, stark und unabhängig zu sein, ohne zu befürchten, nicht mehr als ganze Frau gesehen zu werden. Eine freiere Entfaltung der eigenen Persönlichkeit ohne diese Mauern würde allen dazu verhelfen, im Kern vollständiger zu sein und dem eigenen „Selbst“ näher zu kommen.

 

Gleichheit aller Geschlechter

 Emma Watson bringt mit ihrer Rede einen zunehmend öfter geäußerten Wunsch nach einem Leben ohne aufgezwungene Rollenklischees zum Ausdruck. Viele Menschen unterstützen die Idee von einem universellen Geschlecht für alle, um die vielfältigen Formen von Geschlechter-Ungerechtigkeit aus der Welt zu schaffen.  Als junge Frau aus der Generation „Y“ oder den Millennials (die Jahrtausender)  habe ich – die Autorin – in den letzten Jahren immer öfter Menschen getroffen, die aus ihrer Rolle „weiblich“/“männlich“ vollständig ausgebrochen sind und sich jenseits der gesellschaftlichen Erwartungen neu erfunden haben. Diese Menschen sind mutig genug, sich selbst zu verwirklichen und nehmen dafür viele Schwierigkeiten in Kauf. Dass sie sich nicht vorrangig über Mann oder Frau definieren, macht sie zu wirklich interessanten, starken Persönlichkeiten. Die meisten kämpfen dabei immer wieder damit, nicht akzeptiert zu werden oder besser gesagt, nicht in Ruhe gelassen zu werden. Schon ein Abend in einem Restaurant ist nicht wie sonst, wenn mir am Tisch gegenüber meine Bekannte sitzt, eine Frau, die einmal ein Mann war. Die Menschen gucken, der Kellner ist noch viel netter als zu den anderen Gästen, wahrscheinlich um auf gar keinen Fall den Eindruck zu erwecken, dass es ihn peinlich berührt oder ähnliches. Wir wissen, dass ein paar Leute im Raum ihrer Begleitung schon zugeflüstert haben, er oder sie solle doch mal hinter sich den lustigen Paradiesvogel angucken. Damit meine Bekannte die sein kann, die sie ist und sein will, müssen solche Schwierigkeiten gemeistert werden. Sie und viele andere Menschen, mit einem freigewählten oder ohne Geschlecht brauchen Toleranz und Akzeptanz auch seitens ihrer Familie, ArbeitskollegInnen und der allgemeinen Öffentlichkeit um sich nur als Mensch definieren zu können und nicht als Ausstellungsstück.

 

Zeit und Erfolge

Die Stereotypen haben sich so eingebrannt in unsere Köpfe, dass alles, was von dem bekannten Bild abweicht, sofort mit krankhafter Neugierde oder im schlechten Fall mit Argwohn betrachtet wird. Diese festgefahrenen Vorstellungen sind schwer zu überwinden, doch glaube ich, dass wir auf einem guten Weg sind. Im Laufe eines Jahrhunderts hat sich das Rollenbild der Frau dramatisch verändert. Frauen dürfen seit 1919 in Deutschland wählen, nachdem vor rund 200 Jahren eine der ersten Kämpferinnen der Frauenbewegung, Olympe de Gouges, für ihre Veröffentlichungen der „Rechte der Frau“ noch öffentlich hingerichtet wurde. So dramatisch sich die Zwischenzeit gestaltet haben mag, so ist doch festzustellen, dass die Frauen recht weit gekommen sind in so kurzer Zeit. Das bedeutet nicht, dass wir uns zurücklehnen sollten. Frauen wie Emma Watson und neue Ideen zur Geschlechtergerechtigkeit werden gebraucht. Denn die Idee der Gleichberechtigung der Frau ist geschichtlich betrachtet noch in den Kinderschuhen. Im Kontext des Feminismus und der Frauenbewegung ist zur Frage der Gleichstellung der Frau der Gedanke einer grundsätzlichen Toleranz gegenüber allen Geschlechtern und Geschlechtsidentitäten hinzugekommen. Dies ist ein noch sehr kontrovers diskutiertes Thema. Doch es bietet die Chance, den Feminismus zu erweitern und sich als Frau der Generation Y zu ihm zu bekennen. Unsere Vorgängerinnen haben schon einige Probleme aus dem Weg geräumt, gleichwohl scheint weltweite Gleichberechtigung noch eine Utopie. Die gute Nachricht ist: Der Weg ist das Ziel und wir haben schon einige Meilen zurückgelegt.

 

 

Das Video zur Rede:

 

Die HEFORSHE-Kampagne:

http://www.heforshe.org

 

UnWomen ruft zur Teilnahme auf:

http://tinyurl.com/q7ejddu

Sheila Levine-Die Vorbotin von “Sex and the City”

Gail Parent – Sheila Levine ist tot und lebt in New York

Der amerikanische Klassiker aus den 70ern erobert mit seinem zynischen Großstadthumor erneut die LeserInnen weltweit – eine Neuauflage des längsten und wohl witzigstenAbschiedsbriefes der Welt.

 

„Wohnungsanzeigen lügen. Jede einzelne, ohne Ausnahme. Alle pathologischen Lügner verfassen sofort, wenn sie aus der Klapse kommen, Kleinanzeigen für eine Zeitung.“

Mit solchen biestigen und charmanten Wahrheiten unterhält Gail Parent ihre LeserInnen in ihrem bisher erfolgreichsten Roman. Nachdem sich das Buch damals über eine halbe Million Mal verkaufte, wurde die Geschichte der pummeligen Jüdin im Jahr 1975 von Paramount Pictures unter gleichnamigem Titel verfilmt und ist nun, 42 Jahre später, endlich auch auf Deutsch erhältlich.

Die Singlefrau

Die heute 74 jährige Autorin beschreibt in ihrer Geschichte den Typus der allein stehenden, leicht übergewichtigen Frau, die auf der Suche nach Mr. Right einige Katastrophen verursacht und über sich ergehen lässt. Mit dieser Charakterisierung legte Parent einen Meilenstein in der Literaturgeschichte, denn nach Sheila Levine folgten weitere solcher liebenswerten, sympathischen und vor allem eigenständigen weiblichen Kunstfiguren wie zum Beispiel Carrie Bradshaw aus „Sex and the City“ und Bridget Jones aus  „Schokolade zum Frühstück“. Alle drei haben gemeinsam, dass sie nicht verheiratet sind und auf eigenen Füßen stehen. Was heutzutage beinahe normal ist, galt früher noch als unüblich und Mitleid erregend.

Genau wie ihre berühmten Nachfolgerinnen ist Sheila Levine Anfang 30, Single, entspricht nicht dem gesellschaftlichen Schönheitsideal und lebt in einer überfüllten Großstadt. Zudem hat Sheila eine anstrengende Mutter die sie bei jeder Gelegenheit daran erinnert, wie tragisch es ist, dass sie noch keinen netten, jüdischen Ehemann und zwei Kinder hat. Die verbitterte und zutiefst von der Welt genervte Büroassistentin spielt in ihren Tagträumen ständig absurde Situationen durch oder beschäftigt sich mit grotesker Leichtigkeit mit ihrem eigenen Tod:

…Man kann sich nicht vorstellen, wie erleichtert ich war, als ich mich zu diesem Entschluss durchgerungen hatte. Merkwürdigerweise fühlte ich mich kerngesund. Es tut einfach unvorstellbar gut, Dr. Stillman und seine Wasserdiät zu vergessen und sich von Dr. Atkins und seiner Kohlenhydratreduktionskost zu verabschieden. Richtig, das Erste, was ich mir nach diesem Entschluss, meinem Leben ein Ende zu setzen, vornahm, war, keine Diät mehr zu machen. Die Grube musste eben etwas verbreitert werden.”

Kritik

Obwohl es Spaß macht, dieses Buch zu lesen, ist es nach einiger Zeit etwas zermürbend, sich auf diese pessimistische Sichtweise einzulassen. Die Stimmung ist durchgehend zynisch, und keine Andeutung von echter Liebe, Freundschaft oder Hoffnung geben HappyEnd Liebesgeschichten gewönten LeserInneneine Erholung. Die wandelnde Katastrophe Sheila Levine und ihre Missgunst gegenüber allen anderen Menschen ist nichts für OptimistInnen. Ein Roman, der in der richtigen Stimmung gelesen werden muss, wenn mal nicht alles nach Friede, Freude, Eierkuchen aussieht.

Trotz allem definitiv eine Übersetzung, die schon lange fällig war. Ein wahnsinnig witziger Roman, bei dem die Rezensentin beim lesen nicht nur schmunzeln, sondern laut lachen muss. Weisheiten und Wahrheiten, die an das eigene Leben erinnern und helfen, alles Negative mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor zu betrachten.

 “Sheila Levine ist tot und lebt in New York“ ist eine humorvolle Story über Dating-Katastrophen, Diäten, Wohnungssuche und Beziehungen und somit Pflichtlektüre im Überlebenstraining eines/r jeden Alleinstehenden.

 

Zur Autorin: Gail Parent  ist 1940 in New York City geboren. Die in Deutschland noch weitgehend unbekannte Autorin schreibt neben großartiger Belletristik auch Drehbücher und war unter anderem eine der ProduzentInnen der berühmten Kultserie „Golden Girls“.

Zum Buch: 

Gail Parent

Sheila Levine ist tot und lebt in New York

Originaltitel: Sheila Levin is dead and living in New York

Aus dem Amerikanischenvon Uta Goridis

Broschur, 304 Seiten

Metrolit-Verlag, 1.Auflage

ISBN 978-3-8493-0309-9

12,99 €